Der Realitäts-Check mit … ISD Group

Im Interview mit der REALITY: Heike Kuba von der ISD Group

1. Wie schätzen Sie den aktuellen Bedarf an Informatiker*innen?

Bezogen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt schätzen wir den Bedarf als „sehr hoch“ ein, da grundsätzlich immer mehr Aspekte unseres Lebens von Software beeinflusst / betroffen werden. Dieser Trend wird sich zukünftig weiter beschleunigen. Bezogen auf die ISD schätzen wir den Bedarf als „hoch“ ein.

2. Welche Entwicklung erwarten Sie am Arbeitsmarkt allgemein und speziell in Ihrem Unternehmen?

Wir sehen jetzt schon, dass Unternehmen offene Positionen deutlich schlechter besetzen können als dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Wir gehen davon aus, dass sich hieran auch in der nächsten Zukunft nichts ändern wird. Der Bedarf wird weiterhin hoch bleiben, parallel werden Entwicklungen stärker ins Ausland verlagert werden (sprich den verfügbaren Arbeitskräften folgen).

Die ISD entwickelt sehr komplexe Softwareapplikationen. Dementsprechend suchen wir auch sehr gut ausgebildete Informatiker*innen. Da wir bereits eine umfangreiche Entwicklungsmannschaft haben und den Fokus stark auf Qualität statt Quantität legen, trifft uns die Entwicklung am Arbeitsmarkt nicht ganz so stark. Im Augenblick bleibt es bei der zentralen Entwicklung unserer Software in Deutschland. Die Diskussionen über eine Verlagerung / Ergänzung der Entwicklung im Ausland nehmen aber zu.

3. Welche Rolle spielen digitale Bewerbungen im Vergleich zur „klassischen“ schriftlichen Bewerbung? Machen Sie Unterschiede?
Wir bekommen unsere Bewerbungen aktuell fast ausschließlich in digitaler Form (und das ist auch gut so).

4. Wie ausschlaggebend sind in Ihrem Unternehmen die Noten und die Studienzeiten für eine mögliche Einstellung?

Da wir bei der Auswahl neuer Mitarbeiter stark auf Qualität setzen und diese häufig mit guten Noten und kurzen Studienzeiten korreliert, sind beides wichtige Kriterien zur Beurteilung einer Bewerbung.


5. Wie bewerten Sie fächerübergreifende Kompetenzen bei Informatikabsolvierenden? Wie wichtig sind die Neben- bzw. Anwendungsfächer aus dem Studium?

Aus unserer Sicht sind die fächerübergreifenden Kompetenzen nicht ganz so wichtig, da es uns primär um eine effiziente Softwareentwicklung geht und unsere Produkte schon seit Jahrzehnten am Markt existieren und weiter entwickelt werden. Dies bedeutet zwangsläufig dass wir an die Implementierung neuer Funktionalitäten hohe Ansprüche stellen. Historisch gesehen gab es Zeiten bei der ISD bei denen wir Bewerber mit einem Ingenieurshintergrund bevorzugt haben, da diese auch die Anwendungsdomäne unserer Kunden verstehen. Durch die weiter gehende Spezialisierung und den Aufbau eines eigenständigen Produktmanagementteams ist dies aber immer weniger wichtig geworden.

6. Worauf achten Sie bei Bewerbungsgesprächen besonders? Welche Rolle spielen fachliche Themen, welche die „social skills“?

Grundvoraussetzung ist, dass die Bewerber ihr Studium erfolgreich abgeschlossen haben und wir den Eindruck bekommen, dass sich die Bewerber systematisch mit komplexen Fragestellungen auseinander setzen und effizient lösen können. Begeisterung für die Softwareentwicklung und das Schauen über den eigenen Tellerrand sind für uns wichtig damit sich neue Mitarbeiter auch nach dem Start bei der ISD weiter entwickeln. Dadurch, dass unsere Produkte sehr Know How intensiv sind ist uns außerdem wichtig, dass sich Bewerber mit unseren Produkten identifizieren können und langfristig Spaß an dem Themengebiet haben. Gutes Kommunikationsvermögen ist uns ebenfalls wichtig, da viele Dinge im Team umgesetzt werden bzw. Entwicklungen durch rechtzeitige Kommunikation auch effizienter erfolgen können.

7. Welche persönlichen Eigenschaften sind für eine erfolgreiche Karriere in der Wirtschaft erforderlich und wie können Hochschulen dazu beitragen, diese zu vermitteln?

Fachliche Kompetenz (Kenntnisse aktueller Entwicklungswerkzeuge, -technologien und -sprachen) sind wichtig, da sie das Grundgerüst der täglichen Arbeit bilden. Dies sollte von den Hochschulen vermittelt werden. Da Hochschulen niemals die komplette Bandbreite abdecken können ist es uns z. B. bei den Programmiersprachen eher wichtig, dass die Bewerber eine Programmiersprache gut kennen und diese auch praktisch eingesetzt haben (idealerweise mehrfach). Wenn der Bewerber dann auch für andere Sprachen aufgeschlossen ist und Interesse für neue Dinge mitbringt ist das völlig ausreichend.

8. Sind Sie mit der deutschen Hochschulausbildung generell zufrieden? Was wünschen Sie sich als Arbeitgeber, damit Absolvierende besser auf den Berufseinstieg vorbereitet werden?

Ein Hochschule vermittelt im Informatikstudium zum größten Teil theoretische Inhalte, die relativ zeitlos sind. Mit diesem Teil der Hochschulausbildung sind wir sehr zufrieden. Es gibt aber in diesem Studiengang einen praktischen Teil, wo erste praktische Erfahrungen mit Entwicklungswerkzeugen, -technologien und –sprachen gesammelt werden. Dieser Teil verschlechtert sich über die Jahre, da die Inhalte sich zu langsam an die aktuelle Technologielandschaft anpassen. Die Praktika finden oft direkt an der Hochschule statt und sind nicht von echten Unternehmen begleitet oder finden sogar im Unternehmen statt. Dementsprechend müssen Absolvent*innen länger angelernt werden, bis sie im Unternehmen effektiv eingesetzt werden können.

9.Was erwarten und wünschen Sie sich von der REALITY?

Wir wünschen uns Kontakt zu Informatiker*innen, die sich eine Arbeit bei der ISD (studienbegleitend oder später als Festanstellung) vorstellen können und hoffen die ISD als attraktiven Arbeitgeber in direkter Nähe der Universität präsentieren zu können.